PKV im Referendariat
Bevor Sie über Tarife nachdenken, klären Sie eine Frage: Läuft Ihr Referendariat im Beamtenverhältnis auf Widerruf oder in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis ohne Beamtenstatus? Nur im ersten Fall haben Sie einen Beihilfeanspruch und brauchen eine private Restkostenversicherung. Im zweiten Fall besteht in der Regel Versicherungspflicht in der gesetzlichen Kasse, und eine private Vollversicherung wäre der falsche Weg. Die Antwort steht in Ihrem Einstellungsbescheid.
Kurz gesagt
- Klären Sie zuerst den Status: Beamtenverhältnis auf Widerruf oder öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis. Die Antwort steht im Einstellungsbescheid.
- Nur mit Beamtenstatus haben Sie Beihilfe und brauchen eine private Restkostenversicherung.
- Ohne Beamtenstatus sind Sie in der Regel gesetzlich versicherungspflichtig.
- Tarife, Übergangszusage und Eintrittsalter sind auf der Seite für Anwärter erklärt.
Warum diese Frage vor allen anderen kommt
Die Ausgestaltung des Vorbereitungsdienstes ist Ländersache und unterscheidet sich sowohl zwischen den Ländern als auch zwischen den Laufbahnen.
Die Folgen sind grundverschieden. Mit Beamtenstatus bekommen Sie Beihilfe und versichern nur den Rest. Ohne Beamtenstatus sind Sie in aller Regel gesetzlich versicherungspflichtig, zahlen einen einkommensabhängigen Beitrag und bekommen einen Arbeitgeberanteil. Wer in dieser Situation eine private Vollversicherung abschließt, zahlt doppelt oder schließt einen Vertrag ab, den er nicht braucht.
Wenn Sie Beamtin oder Beamter auf Widerruf sind
Dann sind Sie beihilfeberechtigt und brauchen eine private Restkostenversicherung. Für die Tarifwahl gilt dasselbe wie für Beamtenanwärter: Anwärtertarif, Übergang in den regulären Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung und Eintrittsalter sind dort ausführlich erklärt.
Lehramtsreferendariat
Ob das Referendariat für das Lehramt in Ihrem Land im Beamtenverhältnis auf Widerruf stattfindet, steht in Ihrem Einstellungsbescheid. Eine geprüfte Länderübersicht gibt es auf dieser Seite noch nicht. Was nach der Verbeamtung für Lehrkräfte gilt, steht unter PKV für Lehrkräfte.
Juristisches Referendariat
Auch für Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare ist der Status Ländersache. In Bayern etwa sind Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare nach Angaben des Oberlandesgerichts München im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis gesetzlich kranken- und pflegeversichert und haben keinen eigenen Beihilfeanspruch. Wer nach dem Referendariat in die Anwaltschaft und damit in die Selbstständigkeit gehen will, sollte einen privaten Vertrag von Anfang an so wählen, dass er auch als Vollversicherung ohne Beihilfe funktioniert.
Für die große Mehrheit ist die Frage damit schon entschieden: In elf Ländern findet das Rechtsreferendariat im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis statt. Dort besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung und kein Beihilfeanspruch. Hessen verbeamtet, wenn die beamtenrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, Mecklenburg-Vorpommern im Regelfall; Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen lassen die Wahl.
| Land | Status | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 5 Abs. 1 JAG BW |
| Bayern | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | Art. 1 SiGjurVD |
| Berlin | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 10 Abs. 1 JAG Berlin (nach Angaben des Kammergerichts) |
| Brandenburg | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis außerhalb des Beamtenverhältnisses | § 10 Abs. 1 BbgJAG |
| Bremen | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 39 Abs. 1 JAPG |
| Hamburg | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 36 Abs. 1 HmbJAG |
| Hessen | Beamtenverhältnis auf Widerruf, wenn die beamtenrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, sonst öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 26 Abs. 2 JAG Hessen |
| Mecklenburg-Vorpommern | Beamtenverhältnis auf Widerruf im Regelfall; wer die Voraussetzungen nicht erfüllt oder nicht verbeamtet werden will, im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis | § 21 Abs. 3 JAG M-V |
| Niedersachsen | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 5 Abs. 1 NJAG |
| Nordrhein-Westfalen | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 30 Abs. 1 JAG NRW |
| Rheinland-Pfalz | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 6 Abs. 3 JAG RLP |
| Saarland | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 21 JAG Saarland (nach Angaben des Saarländischen Oberlandesgerichts) |
| Sachsen | Wahlrecht zwischen beidem, unwiderruflich | § 34 Abs. 4 SächsJAPO |
| Sachsen-Anhalt | Wahlrecht zwischen beidem, für Dienstbeginn ab 1. Mai 2026 | §§ 6, 10 JAG LSA |
| Schleswig-Holstein | öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | § 9 Abs. 1 JAG SH |
| Thüringen | Wahlrecht, ab Einstellungstermin 5/2023 | § 7 ThürJAG |
Wo Sie die Wahl haben, ist sie an beamtenrechtliche Voraussetzungen geknüpft, etwa die bestandene erste Prüfung, die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates und in Sachsen eine Altersgrenze von 42 Jahren (§ 7 Abs. 1 SächsBG). Fehlen diese Voraussetzungen, entfällt das Wahlrecht. Entscheiden Sie sich für das Beamtenverhältnis, sind Sie beihilfeberechtigt und versichern nur den Rest; wählen Sie das Ausbildungsverhältnis, bleiben Sie gesetzlich versichert. Was in Ihrem Fall gilt, steht in Ihrem Einstellungsbescheid.
Wenn Sie keinen Beamtenstatus haben
Dann sind Sie in der Regel gesetzlich versicherungspflichtig, und der Weg in die private Krankenversicherung steht Ihnen während des Referendariats nicht offen. Das ist keine Benachteiligung, sondern schlicht ein anderes System. Sinnvoll sind in dieser Phase allenfalls Zusatzbausteine, und selbst die nur, wenn ein konkreter Bedarf besteht.
Wichtig ist der Blick auf die Zeit danach. Wenn Sie im Anschluss verbeamtet werden, entsteht der Beihilfeanspruch erst zu diesem Zeitpunkt. Klären Sie die Tarifwahl vorher, damit Sie zum Stichtag versichert sind und nicht in eine Lücke geraten.
Eine Befreiung von der Versicherungspflicht hilft hier in aller Regel nicht weiter. Versicherungspflichtig sind Sie als „zu Ihrer Berufsausbildung Beschäftigte" nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V. Die Befreiungstatbestände des § 8 Abs. 1 SGB V sind abschließend aufgezählt und betreffen andere Fälle: Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze, Arbeitslosengeld, Elternzeit, Pflegezeit, halbierte Arbeitszeit, Rentenbezug, Studium und berufspraktische Tätigkeit. Das Referendariat im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis steht nicht darunter. Sollte in Ihrem Einzelfall doch einer dieser Tatbestände greifen, gilt § 8 Abs. 2 SGB V: Der Antrag muss innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse liegen, und die Befreiung lässt sich nicht widerrufen. Lassen Sie sich das vorher von Ihrer Krankenkasse schriftlich bestätigen.
Wenn das Referendariat endet
Das Referendariat ist häufig kürzer als eine reguläre Anwärterzeit und endet bei vielen mit einem Wechsel in einen ganz anderen Status: Verbeamtung, Anstellung, Selbstständigkeit.
Wenn die Verbeamtung ansteht, hängen daran mehrere Fristen gleichzeitig: die Aufnahme in einen Beihilfetarif zum Dienstbeginn, gegebenenfalls die Frist der Öffnungsaktion für Menschen mit Vorerkrankungen und die Kündigung einer bestehenden gesetzlichen Mitgliedschaft. Diese Fristen laufen nicht synchron, und sie sind der Grund, warum die Vorbereitung besser zwei Monate vorher beginnt als zwei Wochen.
Mit dem Ende des Dienstverhältnisses endet auch der Beihilfeanspruch. Ein Beihilfetarif deckt dann nur noch den Prozentsatz ab, für den er kalkuliert ist, und die Lücke entsteht sofort. Deshalb gibt Ihnen § 199 Abs. 2 VVG einen Anspruch darauf, dass Ihr Versicherer den Schutz an den weggefallenen Beihilfeanspruch anpasst. Stellen Sie den Antrag innerhalb von sechs Monaten nach der Änderung, muss er das ohne erneute Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten tun. Im Basistarif gilt die Regel nicht (§ 199 Abs. 3 VVG).
Wenn Sie nicht übernommen werden
Folgt auf das Referendariat keine Verbeamtung, klären Sie frühzeitig mit Ihrem Versicherer, wie Ihr Vertrag weiterläuft, und prüfen Sie Ihre künftige Versicherungspflicht, bevor die Ausbildung endet.
Was dann gilt, hängt davon ab, wie es beruflich weitergeht. Werden Sie angestellt, greift wieder die Versicherungspflicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V. Machen Sie sich selbstständig, etwa als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt, bleiben Sie privat versichert und stellen den Vertrag auf eine Vollversicherung um; versichert sein müssen Sie in jedem Fall, das schreibt § 193 Abs. 3 VVG vor. In beiden Fällen läuft die Sechsmonatsfrist des § 199 Abs. 2 VVG ab dem Wegfall des Beihilfeanspruchs, nicht ab dem Tag, an dem Sie daran denken.
Wann die private Versicherung im Referendariat nicht passt
- Sie haben keinen Beamtenstatus. Dann ist die Frage ohnehin entschieden.
- Sie wissen noch nicht, ob Sie im Anschluss in den Staatsdienst gehen. Rechtsreferendare, die in die Wirtschaft wechseln, stehen als Angestellte mit gesetzlicher Versicherung häufig einfacher da.
- Sie haben eine Vorerkrankung, die den Zugang verteuert. Klären Sie das per anonymer Risikovoranfrage, bevor ein Antrag läuft.
Weiterlesen
Die Grundlagen stehen unter PKV für Beamte, die Systematik unter Beihilfe, und was beim Einstieg zählt, unter Anwärter. Die anderen Gruppen stehen unter Berufsgruppen.
Den Status im Lehramtsreferendariat je Land mit Fundstelle finden Sie unter PKV für Lehramtsanwärter, die Öffnungsaktion für Beamte auf Widerruf unter Öffnungsaktion für Anwärter und Referendare.
Quellen
- Status je Land: die in der Tabelle genannten Juristenausbildungsgesetze in der aktuellen Fassung der amtlichen Landesrechtsportale, abgerufen am 17.10.2026; für Rheinland-Pfalz über den Abdruck in der Ausbildungsmappe des Landesprüfungsamts für Juristen (Stand Mai 2026, jm.rlp.de)
- Kammergericht Berlin, Rechtsreferendariat, Dienstrecht (§ 10 Abs. 1 JAG Berlin, Stand 10.08.2026), abgerufen am 17.10.2026
- Saarländisches Oberlandesgericht, Referendariat (§ 21 JAG), abgerufen am 17.10.2026
- Oberlandesgericht Dresden, Merkblatt zur Wahl zwischen Beamtenverhältnis auf Widerruf und öffentlich-rechtlichem Ausbildungsverhältnis, justiz.sachsen.de, abgerufen am 18.09.2026
- Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz, Merkblatt zum Beamtenverhältnis auf Widerruf und zum öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis vom 16.02.2023, justiz.thueringen.de, abgerufen am 18.09.2026
- § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V zur Versicherungspflicht der zur Berufsausbildung Beschäftigten, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 18.09.2026
- § 8 SGB V zu den Befreiungstatbeständen und zur Dreimonatsfrist, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 18.09.2026
- § 193 Abs. 3 und § 199 Abs. 2 VVG zur Versicherungspflicht und zur Anpassung bei Wegfall des Beihilfeanspruchs, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 18.09.2026
- Oberlandesgericht München, Merkblatt für Rechtsreferendare, Nr. 15.3.1, justiz.bayern.de, Stand April 2025
- Beihilfesätze für Anwärterinnen und Anwärter sowie Beamte auf Widerruf je Dienstherr: siehe die Landesseiten und den Beihilfe-Rechner, dort jeweils mit Rechtsgrundlage und Stand
Über den Autor
Kai Stockschlaeder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.
Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.
Fachlich geprüft am 18. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.
Erst den Status, dann den Tarif
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