PKV für BeamteBeihilfe verstehen, bevor Sie unterschreiben

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Die Öffnungsaktion

Von Kai Stockschläder. Zuletzt geändert am 15. September 2026. Fachlich geprüft am 15. September 2026. Wie diese Seite entsteht.

Eine Person füllt mit einem Stift ein Blatt Papier aus.

Die Öffnungsaktion ist eine freiwillige Branchenvereinbarung der teilnehmenden privaten Krankenversicherer, kein gesetzlicher Anspruch. Sie richtet sich an Beamtinnen, Beamte und deren berücksichtigungsfähige Angehörige. Wer sie nutzt, wird nicht wegen einer Vorerkrankung oder Behinderung abgelehnt, bekommt keine Leistungsausschlüsse und zahlt einen Risikozuschlag von höchstens 30 Prozent, allerdings nur im beihilfekonformen Haupttarif. Den Antrag stellen Sie innerhalb von sechs Monaten nach Ihrer Verbeamtung auf Widerruf oder auf Probe, und genau diese Frist entscheidet darüber, ob der Weg offensteht.

Kurz gesagt

  • Die Öffnungsaktion ist eine freiwillige Branchenvereinbarung der teilnehmenden Versicherer, kein gesetzlicher Anspruch.
  • Den Antrag stellen Sie innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung auf Widerruf oder auf Probe.
  • Keine Ablehnung wegen Vorerkrankung oder Behinderung, keine Leistungsausschlüsse, Risikozuschlag höchstens 30 Prozent.
  • Sie gilt nur für den beihilfekonformen Haupttarif, und je Anlass löst nur der erste verbindliche Antrag die Aufnahmepflicht aus. Liegen die Voraussetzungen durch veränderte Lebensumstände erneut vor, ist sie nach Angaben des PKV-Verbands erneut nutzbar.
  • Beihilfeberechtigte Angehörige haben sechs Monate ab ihrer erstmaligen Berücksichtigungsfähigkeit.

Frist und Personenkreis

Die Öffnungsaktion nutzen Sie, indem Sie den Antrag innerhalb von sechs Monaten nach Ihrer Verbeamtung auf Widerruf oder auf Probe stellen. Seit 2019 gilt das nach Angaben des PKV-Verbands auch für Beamtinnen und Beamte in der Ausbildung.

Auch beihilfeberechtigte Angehörige können die Öffnungsaktion nutzen. Für sie läuft die Frist von sechs Monaten ab dem Zeitpunkt, zu dem sie erstmals in der Beihilfe berücksichtigungsfähig sind.

Quellen: Verband der Privaten Krankenversicherung, abgerufen am 15.09.2026; privat-patienten.de, Verbraucherportal des PKV-Verbands, Stand Juli 2024.

Die Frist beginnt mit dem Beginn des Beamtenverhältnisses, maßgeblich ist der Eingang Ihres Antrags beim Versicherer. Waren Sie als Beamtin oder Beamter auf Widerruf gesetzlich versichert, können Sie die Öffnungsaktion nach Angaben des PKV-Verbands auch bei der anschließenden Verbeamtung auf Probe nutzen. Bei einer Verbeamtung auf Zeit oder auf Lebenszeit gilt das, wenn kein Beamtenverhältnis auf Probe vorausgegangen ist. Ein Risikozuschlag ist auf höchstens 30 Prozent des tariflichen Beitrags begrenzt.

Wofür die Öffnungsaktion gedacht ist

Ohne sie hätte ein Teil der Beamtenschaft ein strukturelles Problem. Wer beihilfeberechtigt ist, braucht eine Restkostenversicherung, denn die Beihilfe allein deckt nur einen Teil der Kosten. Wer wegen einer Vorerkrankung keinen privaten Vertrag bekommt, steht zwischen zwei Systemen: Die Beihilfe setzt den privaten Weg voraus, der private Weg ist aber versperrt.

Die Öffnungsaktion soll diese Lücke schließen. Sie ist keine gesetzliche Regelung, sondern eine freiwillige Branchenvereinbarung der teilnehmenden Unternehmen, und daraus folgt kein gesetzlicher Anspruch. Maßgeblich sind die Bedingungen, die die teilnehmenden Versicherer dafür festgelegt haben.

Was sie leistet

  • Keine Ablehnung. Nach den Bedingungen der Öffnungsaktion lehnen die teilnehmenden Versicherer Sie nicht wegen einer Vorerkrankung oder Behinderung ab.
  • Keine Leistungsausschlüsse. Leistungsausschlüsse sind nicht zulässig, auch die vorbestehende Erkrankung ist versichert.
  • Begrenzter Zuschlag. Ein Risikozuschlag ist auf höchstens 30 Prozent begrenzt, statt sich am tatsächlichen Risiko zu orientieren.

Was sie kostet und wo die Grenzen liegen

Der Zugang ist nicht kostenlos. Erstens fällt in vielen Fällen der maximale Zuschlag an, den Sie dauerhaft zahlen. Zweitens gilt die Aufnahmegarantie nur für den beihilfekonformen Haupttarif. Beihilfeergänzungstarife unterliegen der normalen Gesundheitsprüfung. Welche Tarife die teilnehmenden Versicherer im Rahmen der Öffnungsaktion anbieten, beschreibt die Broschüre des PKV-Verbands zur Öffnungsaktion. Wer kerngesund ist, fährt regulär fast immer besser, sowohl beim Beitrag als auch bei den Leistungen.

Drittens löst je Anlass nur der erste verbindliche Antrag die Aufnahmepflicht aus. Liegen die Voraussetzungen später durch veränderte Lebensumstände erneut vor, etwa bei der Verbeamtung auf Probe nach einem gesetzlich versicherten Vorbereitungsdienst, ist die Öffnungsaktion nach Angaben des PKV-Verbands erneut nutzbar. Daraus folgt die praktische Regel: Die Öffnungsaktion ist die zweite Wahl, nicht die erste, und vor jedem verbindlichen Antrag steht eine anonyme Prüfung. Stellen Sie zuerst eine Risikovoranfrage, um zu sehen, ob ein regulärer Vertrag zu vertretbaren Bedingungen möglich ist. Nur wenn das Ergebnis schlecht ausfällt, ist die Öffnungsaktion der bessere Weg.

Die Fristen sind der kritische Punkt

Der Zugang ist zeitlich an den Beginn des Beamtenverhältnisses gekoppelt: Die Frist beträgt sechs Monate ab der Verbeamtung auf Widerruf oder auf Probe. Wer sie verstreichen lässt, verliert diesen Weg, auch wenn alle anderen Voraussetzungen vorliegen. Das trifft besonders Menschen, die sich nach der Verbeamtung erst einmal um anderes kümmern, und es trifft Quereinsteigende, bei denen der Verbeamtungszeitpunkt später liegt, etwa im Schuldienst.

Wenn eine Vorerkrankung bekannt ist, gehört die Klärung deshalb in die ersten Wochen nach der Ernennung, nicht in das erste Jahr. Und weil eine Risikovoranfrage selbst mehrere Wochen dauert, beginnt die Vorbereitung sinnvollerweise vor der Ernennung.

Wann die Öffnungsaktion nicht der richtige Weg ist

  • Ihre Voranfrage hat gezeigt, dass ein regulärer Vertrag ohne oder mit geringem Zuschlag möglich ist. Dann ist der reguläre Weg günstiger und leistungsstärker.
  • Ihre Familienkonstellation spricht ohnehin für die gesetzliche Kasse, etwa als Alleinverdiener mit mehreren Kindern in einem Land mit pauschaler Beihilfe.
  • Sie erfüllen die Voraussetzungen nicht, etwa weil die Frist abgelaufen ist. Dann bleiben die reguläre Antragstellung mit Zuschlag und die gesetzliche Kasse.

Weiterlesen

Alle Wege bei Vorerkrankungen im Überblick stehen unter Vorerkrankungen. Der Ablauf davor steht unter Risikovoranfrage, die Kostenwirkung unter Risikozuschlag. Die Grundlagen finden Sie unter PKV für Beamte. Welche Besonderheiten für Lehrkräfte und für Polizeibeamte gelten, steht unter PKV für Lehrkräfte und PKV bei der Polizei.

Quellen

  • Verband der Privaten Krankenversicherung, Broschüre zur Öffnungsaktion für Beamte und Angehörige, pkv.de, Stand Januar 2026, abgerufen am 15.09.2026
  • Verband der Privaten Krankenversicherung, Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, Krankenversicherung für Beamtinnen und Beamte, pkv.de, abgerufen am 15.09.2026
  • privat-patienten.de, Verbraucherportal des PKV-Verbands, Beamte mit Vorerkrankungen, privat-patienten.de, Stand Juli 2024
  • Welche Versicherer teilnehmen, steht in der oben verlinkten Broschüre des PKV-Verbands.
  • §§ 19 bis 22 VVG zur Anzeigepflicht, gesetze-im-internet.de/vvg
Porträt von Kai Stockschläder

Über den Autor

Kai Stockschläder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.

Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.

Fachlich geprüft am 15. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.

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Die Fristen hängen an Ihrer Ernennung. Klären wir früh, welcher Weg offensteht, statt später festzustellen, dass einer davon zu war.

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