PKV für BeamteBeihilfe verstehen, bevor Sie unterschreiben

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PKV oder gesetzliche Kasse für Beamte?

Von Kai Stockschlaeder. Zuletzt geändert am 7. Oktober 2026. Fachlich geprüft am 15. September 2026. Wie diese Seite entsteht.

Ein junges Paar sitzt mit einem Laptop auf dem Sofa.

Für die große Mehrheit der Beamtinnen und Beamten ist die private Krankenversicherung rechnerisch günstiger, weil die Beihilfe den größeren Teil der Kosten trägt und nur der Rest über eine private Restkostenversicherung abgesichert wird. Die gesetzliche Kasse gewinnt dort, wo mehrere Personen ohne eigenes Einkommen mitversichert werden müssen, und dort, wo eine Vorerkrankung den privaten Zugang stark verteuert. Ohne pauschale Beihilfe zahlen Sie in der gesetzlichen Kasse allerdings den vollen Beitrag allein, weil ein Dienstherr keinen Arbeitgeberanteil leistet.

Kurz gesagt

  • Für die meisten Beamtinnen und Beamten ist die private Krankenversicherung rechnerisch günstiger, weil die Beihilfe den größeren Teil der Kosten trägt.
  • Die gesetzliche Kasse gewinnt bei mehreren Mitversicherten ohne eigenes Einkommen und bei schweren Vorerkrankungen, wenn der Dienstherr eine pauschale Beihilfe zahlt.
  • In der freiwilligen gesetzlichen Versicherung ist der Beitrag einkommensabhängig (§ 240 SGB V), dazu kommt ein kassenindividueller Zusatzbeitrag (§ 242 SGB V).
  • Beamte sind versicherungsfrei (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V). Die Entscheidung für den privaten Weg ist deshalb praktisch endgültig.

Ich verdiene Geld, wenn Sie sich privat versichern, und nichts, wenn Sie gesetzlich bleiben. Diese Seite ist trotzdem so geschrieben, dass Sie beide Wege erkennen können. Wenn Sie mir das nicht glauben, prüfen Sie die Argumente gegen mich zuerst.

Der strukturelle Unterschied

Systemvergleich für Beamte
FragePrivate Versicherung mit BeihilfeFreiwillig gesetzliche Kasse
BeitragsgrundlageAlter, Gesundheit, Leistungsumfang, versicherter Anteileinkommensabhängig nach § 240 SGB V, zuzüglich kassenindividuellem Zusatzbeitrag (§ 242 SGB V)
Beteiligung des DienstherrnBeihilfe auf die Rechnungkeine, außer bei pauschaler Beihilfe
Familieeigener Beitrag pro Person, Kinder aber günstigbeitragsfreie Familienversicherung
Wirkung einer Beförderungkeinehöherer Beitrag
Leistungsumfangvertraglich zugesagt, änderungsfestgesetzlicher Katalog, politisch änderbar
Im RuhestandBemessungssatz steigt, Beitrag sinktBeitrag auf Versorgungsbezüge und sonstige Einnahmen (§ 240 SGB V, § 7 Abs. 2 Beitragsverfahrensgrundsätze Selbstzahler)
Rückkehr möglichfaktisch neinWechsel in die PKV bleibt grundsätzlich möglich, aber teurer mit steigendem Alter

Wann die private Versicherung klar gewinnt

  • Sie sind alleinstehend. Dann versichern Sie eine Person zu 50 Prozent statt eine Person zu 100 Prozent des einkommensabhängigen Beitrags.
  • Ihr Partner hat ein eigenes Einkommen und ist selbst versichert. Die Familienversicherung greift ohnehin nicht.
  • Sie erwarten eine Laufbahn mit deutlichen Beförderungen. Der private Beitrag reagiert darauf nicht.
  • Sie legen Wert auf Leistungen, die der gesetzliche Katalog nicht enthält.

Wann die gesetzliche Kasse die bessere Wahl ist

Diese Fälle sind seltener, aber sie sind real, und sie kosten viel Geld, wenn man sie übersieht.

  • Alleinverdiener mit mehreren Kindern. Privat zahlen Sie für jede Person, gesetzlich einmal. Ab drei Kindern kippt die Rechnung häufig, oft schon ab zwei, wenn der Partner nicht erwerbstätig ist. Das setzt allerdings voraus, dass Ihr Dienstherr eine pauschale Beihilfe zahlt, sonst tragen Sie den gesetzlichen Beitrag vollständig allein. Die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder entfällt, wenn der andere Elternteil privat versichert ist und mehr verdient als das gesetzlich versicherte Mitglied und über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (§ 10 Abs. 3 SGB V).
  • Schwere Vorerkrankung. Wenn ein privater Vertrag nur mit hohem Zuschlag oder mit Leistungsausschlüssen zustande käme, ist der einkommensabhängige Beitrag ohne Gesundheitsprüfung die planbarere Lösung. Prüfen Sie vorher, ob Sie über die Öffnungsaktion trotz Vorerkrankung in die PKV kommen; sie ist genau für diesen Fall gemacht.
  • Absehbar niedrige Versorgungsbezüge. Bei kurzer Dienstzeit oder langer Teilzeit wiegt ein einkommensabhängiger Beitrag leichter als ein fester. Für Teilzeit im Schuldienst siehe auch PKV für Lehrkräfte.
  • Sie wollen das Beamtenverhältnis verlassen. Wer eine Rückkehr in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erwägt, sollte den privaten Weg nicht vorschnell einschlagen.

Der Kipppunkt, ehrlich gerechnet

Ein Beispiel für die gesetzliche Seite, bei freiwilliger Versicherung in der Kasse und pauschaler Beihilfe im Jahr 2026, nach dem Zuschuss des Dienstherrn: Für einen Beamten der Besoldungsgruppe A 13 in Hamburg liegt der Eigenanteil je nach Erfahrungsstufe und Familienzuschlag bei rund 550 bis 740 Euro im Monat; sobald die Bezüge die Beitragsbemessungsgrenze erreichen, sind es 640 bis 740 Euro – weitgehend unabhängig von der Familiengröße. Hamburg übernimmt die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags, den Pflegeversicherungsbeitrag tragen Sie allein. Beide Beiträge richten sich nach Ihren Bezügen bis zur Beitragsbemessungsgrenze, nicht nach der Zahl der mitversicherten Angehörigen; nur die Kinderzahl verändert den Pflegebeitrag geringfügig. Die Quellen stehen unten.

Die PKV funktioniert umgekehrt. Jede versicherte Person hat einen eigenen Beitrag, der nicht von Ihrer Besoldung abhängt, und die Leistung ist im Vertrag festgeschrieben. Mit jedem Angehörigen, den Sie versichern müssen, kommt ein weiterer Beitrag hinzu.

Die Kasse liegt vorne, wenn mehrere Personen ohne eigenes Einkommen mitversichert werden müssen, etwa Kinder und ein Ehepartner ohne Einkommen. Gesetzlich sind sie beitragsfrei familienversichert, privat kostet jede Person einen eigenen Beitrag. Je größer die Familie, desto eher gewinnt die Kasse.

Die PKV liegt vorne, wenn Sie allein sind oder Ihr Partner ein eigenes Einkommen hat, und tendenziell umso mehr, je höher Ihre Besoldung steigt, weil der gesetzliche Beitrag mitwächst und der private nicht. Selbst wenn beide Wege ähnlich viel kosten, leisten sie nicht dasselbe: Gleicher Beitrag bedeutet nicht gleiche Leistung. Die Kasse leistet nach dem gesetzlichen Katalog, die PKV nach dem Tarif, den Sie vereinbaren, etwa bei der Chefarztbehandlung oder beim Hilfsmittelverzeichnis.

Beide Wege rechne ich für Ihre Konstellation durch – mit Leistungen, nicht nur mit Beiträgen.

Der Punkt, der die Rechnung schlägt

Die Entscheidung ist im Beamtenverhältnis praktisch endgültig. Eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung setzt Versicherungspflicht voraus, und die entsteht bei Ihnen nicht: Beamtinnen und Beamte sind in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungsfrei, wenn sie bei Krankheit Anspruch auf Fortzahlung ihrer Bezüge und auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V). Wer nach Vollendung des 55. Lebensjahres versicherungspflichtig wird, bleibt unter weiteren Voraussetzungen versicherungsfrei, insbesondere wenn er in den letzten fünf Jahren davor nicht gesetzlich versichert war (§ 6 Abs. 3a SGB V).

Das heißt für die Entscheidung: Rechnen Sie nicht Ihre heutige Lebenssituation, sondern mindestens drei Zeitpunkte. Eine Konstellation mit zwei kleinen Kindern und einem nicht erwerbstätigen Partner sieht in zwölf Jahren völlig anders aus. Wer nur den heutigen Monatsbeitrag vergleicht, entscheidet über dreißig Jahre mit den Zahlen eines Jahres.

Wie Sie vorgehen sollten

  1. Klären Sie Ihren Bemessungssatz, heute und im Ruhestand, mit dem Beihilfe-Rechner.
  2. Klären Sie, ob Ihr Dienstherr eine pauschale Beihilfe anbietet. Ohne sie ist die gesetzliche Kasse für Beamte fast immer teuer.
  3. Klären Sie bei Vorerkrankungen zuerst per anonymer Risikovoranfrage, zu welchen Bedingungen ein privater Vertrag überhaupt möglich wäre.
  4. Rechnen Sie erst dann die Beiträge, und zwar für drei Zeitpunkte.

Quellen

  • § 240 SGB V zur Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
  • § 242 SGB V zum kassenindividuellen Zusatzbeitrag, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
  • § 10 SGB V zur Familienversicherung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
  • GKV-Spitzenverband, Beitragsverfahrensgrundsätze Selbstzahler, § 7 Abs. 2 (Beamte und Versorgungsempfänger), Fassung vom 28.11.2018, abgerufen am 15.09.2026
  • Bundesbeihilfeverordnung, gesetze-im-internet.de/bbhv, abgerufen am 15.09.2026
  • § 6 SGB V zur Versicherungsfreiheit von Beamten, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
  • §§ 241 und 243 SGB V zu allgemeinem und ermäßigtem Beitragssatz, § 241 und § 243 auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 25.09.2026
  • § 55 SGB XI zu Beitragssatz (gesetzlich 3,4 Prozent, Anpassung durch Verordnung), Beitragszuschlag für Kinderlose und Abschlag für Kinder in der Pflegeversicherung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 25.09.2026
  • Pflege-Beitragssatz-Anpassungsverordnung 2025 (PBAV 2025), Beitragssatz 3,6 Prozent seit 1. Januar 2025, BGBl. 2024 I Nr. 446, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 25.09.2026
  • Bundesministerium für Gesundheit, Bekanntmachung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes nach § 242a Abs. 2 SGB V für das Jahr 2026 (2,9 Prozent), Bundesanzeiger, BAnz AT 10.11.2025 B7, abgerufen am 25.09.2026
  • Bundesgesundheitsministerium, Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung (Beitragssatz und Abschläge), bundesgesundheitsministerium.de, abgerufen am 25.09.2026
  • Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026 (Beitragsbemessungsgrenze 69.750 Euro im Jahr, 5.812,50 Euro im Monat), § 2 Abs. 2, BGBl. 2025 I Nr. 278, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 25.09.2026
  • Freie und Hansestadt Hamburg, Personalamt, FAQ zur pauschalen Beihilfe (Höhe des Zuschusses, Pflegeversicherung, Beitragsberechnung), hamburg.de, Stand Januar 2026, Rechtsgrundlage § 80 Abs. 10 HmbBG, abgerufen am 25.09.2026
  • Hamburgisches Besoldungsgesetz, Anlage VI, Grundgehaltssätze der Besoldungsgruppe A 13: Tabelle gültig ab 1. Februar 2025 (Fassung vom 22.10.2024), Landesrecht Hamburg, abgerufen am 25.09.2026; Werte mit dem Gesetzentwurf des Senats 2024/2025 abgeglichen
  • Freie und Hansestadt Hamburg, Grundgehaltssätze der Besoldungsgruppe A 13: Tabelle gültig ab 1. April 2026 (Erhöhung um 2,8 Prozent) nach dem Gesetzentwurf des Senats 2026/2027/2028 und Pressemitteilung der Finanzbehörde vom 10.06.2026. Tabelle 2026 nach Senatsentwurf, Gesetz noch nicht beschlossen. Abgerufen am 25.09.2026

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Porträt von Kai Stockschlaeder

Über den Autor

Kai Stockschlaeder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.

Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.

Fachlich geprüft am 15. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.

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