Beihilfe in Baden-Württemberg: Sätze und Zuständigkeit
Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Baden-Württemberg gilt die Beihilfeverordnung Baden-Württemberg (BVO) vom 23. Oktober 2025, die seit dem 1. Januar 2026 die frühere BVO ersetzt. Sie regelt, welchen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen der Dienstherr übernimmt. Den Rest versichern Sie privat. Maßgeblich ist Ihr Dienstherr, nicht Ihr Wohnort: Wer beim Land arbeitet und anderswo wohnt, bleibt beim Beihilferecht dieses Landes.
Kurz gesagt
- Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Baden-Württemberg gilt die Beihilfeverordnung Baden-Württemberg (BVO) vom 23. Oktober 2025, die seit dem 1. Januar 2026 die frühere BVO ersetzt, nicht die Bundesbeihilfeverordnung.
- Im aktiven Dienst beträgt der Bemessungssatz 50 Prozent, mit zwei Kindern 70 Prozent.
- Im Ruhestand sind es 70 Prozent, für ein berücksichtigungsfähiges Kind 80 Prozent.
- Baden-Württemberg bietet die pauschale Beihilfe an, also einen Zuschuss zum Beitrag statt der Erstattung im Einzelfall.
- Zuständig ist das Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg. Die verbindliche Auskunft zu Ihrem Satz kommt von dort.
Stand: . Rechtsgrundlage und Quelle
Ihr Bemessungssatz in Baden-Württemberg
Die Beihilfe erstattet einen festen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen. Den Rest versichern Sie privat. Diese Sätze gelten für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Baden-Württemberg:
| Für wen | Beihilfe | Privat zu versichern |
|---|---|---|
| Aktiv, ohne berücksichtigungsfähiges Kind | 50 % | 50 % |
| Aktiv, mit zwei Kindern | 70 % | 30 % |
| Anwärterinnen und Anwärter | 50 % | 50 % |
| Versorgungsempfänger im Ruhestand | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiger Ehepartner | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiges Kind | 80 % | 20 % |
Ihren persönlichen Satz mit Kindern und Ehepartner rechnen Sie im Beihilfe-Rechner aus, dort ist Baden-Württemberg hinterlegt.
Was die Beihilfe nicht zahlt: die Restkostenversicherung
Die Beihilfe in Baden-Württemberg erstattet im aktiven Dienst 50 Prozent, mit zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Den Rest Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen, ohne Kinder also 50 Prozent, tragen Sie selbst. Genau diesen Teil sichert eine private Restkostenversicherung ab: ein beihilfekonformer Tarif, dessen Erstattungssatz zusammen mit der Beihilfe 100 Prozent ergibt. Im Ruhestand beträgt der Satz 70 Prozent, der private Anteil sinkt entsprechend; für ein berücksichtigungsfähiges Kind versichern Sie 20 Prozent privat. Wie Beihilfe und private Versicherung zusammenspielen, steht unter PKV für Beamte. Haben Sie eine Vorerkrankung, lesen Sie vorher PKV trotz Vorerkrankung: Innerhalb von sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung gibt es einen erleichterten Zugang.
Besonderheiten in Baden-Württemberg
Diese Punkte weichen vom üblichen Muster ab oder ergänzen es. Sie stehen so in der Rechtsgrundlage:
- Elternzeit: Für die Elternzeit gibt es keine eigene Satzregel; es gilt der Satz nach der Kinderstaffel. (§ 78 LBG BW, § 46 Abs. 1 AzUVO)
- Sinkende Kinderzahl: Wer 70 Prozent erhält, weil drei oder mehr Kinder berücksichtigungsfähig waren, behält diesen Satz, wenn Kinder wegfallen. Die Berücksichtigung eines Kindes endet erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem es im Familienzuschlag nicht mehr berücksichtigungsfähig ist. (§ 61 Abs. 1 Satz 2, § 3 Abs. 2 Satz 2 BVO)
- Kind bei mehreren Beihilfeberechtigten: Ein Kind, das bei mehreren Beihilfeberechtigten berücksichtigungsfähig ist, wird bei der Person berücksichtigt, die das Kindergeld erhält. (§ 4 Abs. 7 BVO)
- Pflegeaufwendungen: Wer von der Pflegeversicherung grundsätzlich nur die Hälfte der Leistungen erhält, bekommt für diese Aufwendungen 50 Prozent. (§ 61 Abs. 6 BVO)
- Individueller Leistungsausschluss: Erstattet der Versicherer Aufwendungen wegen eines individuellen Ausschlusses nicht, erhöht sich der Satz um 20 Prozentpunkte, höchstens auf 90 Prozent. (§ 61 Abs. 4 BVO)
- Stichtag: Maßgebend ist der Zeitpunkt, in dem der Beihilfeanspruch entsteht, also der Zeitpunkt der Entstehung der Aufwendungen. (§ 61 Abs. 2, § 5 Abs. 1 Satz 3 BVO)
Was in der Elternzeit zusätzlich gilt, etwa Beihilfeanspruch und Beitragserstattung des Dienstherrn in Baden-Württemberg, steht auf der Seite Beihilfe und Elternzeit.
Pauschale Beihilfe in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg gehört nach Angaben des PKV-Verbands, der Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Statt der Erstattung im Einzelfall erhalten Sie dann einen Zuschuss zu Ihrem Krankenversicherungsbeitrag. Das lohnt sich vor allem bei mehreren Kindern und einem Partner ohne eigenes Einkommen, weil die gesetzliche Kasse Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert.
In Baden-Württemberg regelt § 78a LBG die pauschale Beihilfe. Sie steht Beihilfeberechtigten offen, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder in einer privaten Krankheitskostenvollversicherung versichert sind. Sie beträgt die Hälfte des Beitrags, bei privater Versicherung höchstens die Hälfte des Beitrags im Basistarif. Den Antrag stellen Sie auf dem Formblatt der Beihilfestelle innerhalb einer Ausschlussfrist von fünf Monaten; mit der pauschalen Beihilfe verzichten Sie unwiderruflich auf die Beihilfe nach § 78 LBG, ausgenommen Pflege und Todesfall. Wie sich beide Wege in Ihrem Fall rechnen, steht auf der Seite zur pauschalen Beihilfe.
Vier Punkte, die in Baden-Württemberg über Ihre Kosten entscheiden
Der Bemessungssatz ist nur die halbe Antwort. Diese vier Regeln unterscheiden die Länder deutlich, und sie kosten im Einzelfall Geld. Alle Angaben stammen aus der Landesvorschrift oder dem Merkblatt der Beihilfestelle (am 24.09.2026 gegen den amtlichen Text geprüft):
- Einkommensgrenze für Ehepartner: Für Aufwendungen Ihres Ehepartners gibt es keine Beihilfe, wenn dessen Gesamtbetrag der Einkünfte in beiden Kalenderjahren vor der Antragstellung jeweils 20.000 Euro überschritten hat (§ 78 Abs. 1a Landesbeamtengesetz). In besonderen Härtefällen, etwa bei einem individuellen Leistungsausschluss des Ehepartners in der privaten Krankenversicherung, ist eine Ausnahme möglich.
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: Von der Beihilfe wird je Kalenderjahr eine Kostendämpfungspauschale abgezogen, gestaffelt nach Besoldungsgruppen von 100 Euro (A 8 bis A 9) bis 480 Euro (höhere Besoldungsgruppen). Versorgungsempfänger zahlen weniger, von 85 bis 330 Euro (§ 78 Abs. 2a Landesbeamtengesetz, § 60 Abs. 1 BVO). Waisen mit Vollwaisengeld sind ausgenommen.
- Wahlleistungen im Krankenhaus: Wahlärztliche Leistungen und Unterkunft bis zum Zweibettzimmer sind beihilfefähig, aber nur gegen einen Beitrag von 22 Euro im Monat, den Sie innerhalb einer Ausschlussfrist von fünf Monaten erklären müssen (§ 29 Abs. 1, 3 und 5 BVO). Die Erklärung können Sie jederzeit widerrufen, der Widerruf gilt aber nur für die Zukunft (§ 29 Abs. 4 BVO).
- Antragsfrist: Sie haben Zeit bis zum Ablauf der beiden Kalenderjahre, die auf das Jahr des Entstehens der Aufwendungen oder der ersten Rechnung folgen. Versäumen Sie die Frist, erlischt der Anspruch (§ 64 Abs. 12 BVO).
Fundstellen und Fassungen der vier Punkte
- Einkommensgrenze Ehepartner: § 78 Abs. 1a LBG. LBG § 78, Fassung vom 17.12.2024, gültig ab 01.11.2024; geprüft am 24.09.2026.
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: § 78 Abs. 2a LBG, § 60 Abs. 1 BVO. LBG § 78 (Fassung vom 17.12.2024, gültig ab 01.11.2024); BVO § 60 (Fassung vom 23.10.2025, gültig ab 01.01.2026); geprüft am 24.09.2026.
- Wahlleistungen im Krankenhaus: § 29 Abs. 1, 3, 4 und 5 BVO. BVO § 29, Fassung vom 23.10.2025, gültig ab 01.01.2026; geprüft am 24.09.2026.
- Antragsfrist: § 64 Abs. 12 BVO. BVO § 64, Fassung vom 23.10.2025, gültig ab 01.01.2026; geprüft am 24.09.2026.
Für Ihren Tarif zählt vor allem der dritte Punkt. Ein Wahlleistungsbaustein kostet spürbar Beitrag. Bezuschusst Ihr Dienstherr Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer nicht, tragen Sie diesen Baustein vollständig selbst, und er kann trotzdem sinnvoll sein, wenn Ihnen die Leistung wichtig ist. Bezuschusst er sie, muss der Prozentsatz im Tarif dazu passen. Die Einkommensgrenze wiederum wird oft erst bemerkt, wenn der Partner mehr verdient und der Anspruch rückwirkend entfällt.
Wann die private Krankenversicherung in Baden-Württemberg nicht die richtige Wahl ist
Für Beamtinnen und Beamte ist die private Krankenversicherung meistens der günstigere Weg, weil Sie nur den Rest zur Beihilfe versichern. Drei Konstellationen sprechen dagegen, und die sollten Sie kennen, bevor Sie unterschreiben:
- Mehrere Kinder und ein Partner ohne eigenes Einkommen. Hier können Sie die pauschale Beihilfe wählen und in der gesetzlichen Kasse bleiben, in der Angehörige ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert sind. Bei mehreren Kindern und einem Partner ohne Einkommen kann das günstiger sein als mehrere private Verträge.
- Eine Vorerkrankung, die zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führt. Dann entscheidet sich über die Risikovoranfrage und gegebenenfalls die Öffnungsaktion, ob ein privater Vertrag zu vertretbaren Bedingungen überhaupt zustande kommt.
- Ein Ehepartner über der Einkommensgrenze. Dann entfällt dessen Beihilfeanspruch, und er muss sich vollständig selbst versichern. Die Grenze in Baden-Württemberg steht weiter oben.
Der Weg zurück in die gesetzliche Kasse steht im Beamtenverhältnis nur mit ausreichender Vorversicherungszeit offen. Rechnen Sie beide Wege deshalb einmal vollständig durch, bevor Sie sich festlegen: PKV oder gesetzliche Kasse.
Wenn Sie den Dienstherrn wechseln
Ihr privater Vertrag wandert mit, das Beihilferecht nicht. Wechseln Sie nach Baden-Württemberg oder von dort weg, ändern sich möglicherweise Ihr Bemessungssatz und die Regeln für Angehörige. Lassen Sie Ihren Tarif dann prüfen: Passt der versicherte Prozentsatz nicht mehr zum Bemessungssatz, sind Sie über- oder unterversichert. Für die Anpassung gilt eine Frist von sechs Monaten nach der Änderung (§ 199 Abs. 2 VVG).
Ihre Beihilfestelle in Baden-Württemberg
Anträge und Auskünfte laufen über das Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg (Website). Dort erhalten Sie auch die verbindliche Auskunft über Ihren persönlichen Bemessungssatz. Diese Auskunft ist die Grundlage für den Prozentsatz, den Sie privat versichern.
Häufige Fragen zur Beihilfe in Baden-Württemberg
Haben Kinder von Beamten in Baden-Württemberg Anspruch auf Beihilfe?
Ja, wenn sie berücksichtigungsfähig sind. Für ein berücksichtigungsfähiges Kind beträgt der Bemessungssatz in Baden-Württemberg 80 Prozent; privat versichern Sie dann 20 Prozent. Woran die Berücksichtigungsfähigkeit hängt, steht unter Beihilfe für Kinder.
Wo stelle ich den Beihilfeantrag in Baden-Württemberg?
Den Antrag stellen Sie über das Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg (Website der Beihilfestelle). Zur Antragsfrist: Sie haben Zeit bis zum Ablauf der beiden Kalenderjahre, die auf das Jahr des Entstehens der Aufwendungen oder der ersten Rechnung folgen. Versäumen Sie die Frist, erlischt der Anspruch (§ 64 Abs. 12 BVO).
Gilt in Baden-Württemberg die pauschale Beihilfe?
Ja. Baden-Württemberg gehört nach Angaben des PKV-Verbands (Stand 15.09.2026) zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Rechtsgrundlage ist § 78a LBG; der Antrag ist innerhalb von fünf Monaten zu stellen, der Verzicht auf die Beihilfe ist unwiderruflich. Ob sie sich für Sie rechnet, steht unter Pauschale Beihilfe.
Welcher Bemessungssatz gilt in Baden-Württemberg im Ruhestand?
Für Versorgungsempfänger beträgt der Satz 70 Prozent; privat versichern Sie dann 30 Prozent. Was beim Übergang zu tun ist, steht unter Beihilfe im Ruhestand.
Weiterlesen
Die Systematik dahinter steht unter Beihilfe, die Regeln des Bundes unter Beihilfe des Bundes. Wie sich der Satz mit Kindern ändert, lesen Sie unter Beihilfe für Kinder, was im Ruhestand passiert, unter Beihilfe im Ruhestand. Was der Schutz kostet, steht unter Kosten. Den Überblick über alle Dienstherren finden Sie unter Beihilfe für Beamte: Überblick, den Vergleich mit der gesetzlichen Kasse bei Zuschuss des Dienstherrn unter Pauschale Beihilfe, die Grundlagen unter PKV für Beamte und den Weg bei Vorerkrankungen unter PKV trotz Vorerkrankung.
Quellen
- §§ 29, 60, 61, 64 BVO, Beihilfeverordnung vom 23.10.2025 (GBl. 2025 Nr. 104), Text gilt ab 01.01.2026, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 78 LBG, Fassung vom 17.12.2024, Text gilt ab 01.11.2024, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg, Information zur Bemessung von Beihilfeleistungen, Quelle öffnen
- Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg, Beihilfestelle, abgerufen am 16.09.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, Krankenversicherung für Beamtinnen und Beamte (Länder mit pauschaler Beihilfe), pkv.de, abgerufen am 15.09.2026
- Pauschale Beihilfe: § 78a LBG BW, landesrecht-bw.de, abgerufen am 17.10.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Broschüre zur Öffnungsaktion für Beamte und Angehörige (beihilfekonforme Restkostenversicherung, Frist), pkv.de, Stand Januar 2026, abgerufen am 07.10.2026
- § 199 Abs. 2 VVG zur Anpassung bei Änderung des Beihilfeanspruchs, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
Über den Autor
Kai Stockschlaeder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.
Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.
Fachlich geprüft am 24. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.
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