Beihilfe in Berlin: Sätze und Zuständigkeit
Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Berlin gelten § 76 des Landesbeamtengesetzes und die Landesbeihilfeverordnung. Sie regelt, welchen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen der Dienstherr übernimmt. Den Rest versichern Sie privat. Maßgeblich ist Ihr Dienstherr, nicht Ihr Wohnort: Wer beim Land arbeitet und anderswo wohnt, bleibt beim Beihilferecht dieses Landes.
Kurz gesagt
- Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Berlin gelten § 76 des Landesbeamtengesetzes und die Landesbeihilfeverordnung, nicht die Bundesbeihilfeverordnung.
- Im aktiven Dienst beträgt der Bemessungssatz 50 Prozent, mit zwei Kindern 70 Prozent.
- Im Ruhestand sind es 70 Prozent, für ein berücksichtigungsfähiges Kind 80 Prozent.
- Berlin bietet die pauschale Beihilfe an, also einen Zuschuss zum Beitrag statt der Erstattung im Einzelfall.
- Zuständig ist das Landesverwaltungsamt Berlin mit seiner Zentralen Beihilfestelle. Die verbindliche Auskunft zu Ihrem Satz kommt von dort.
Stand: . Rechtsgrundlage und Quelle
Ihr Bemessungssatz in Berlin
Die Beihilfe erstattet einen festen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen. Den Rest versichern Sie privat. Diese Sätze gelten für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Berlin:
| Für wen | Beihilfe | Privat zu versichern |
|---|---|---|
| Aktiv, ohne berücksichtigungsfähiges Kind | 50 % | 50 % |
| Aktiv, mit zwei Kindern | 70 % | 30 % |
| Anwärterinnen und Anwärter | 50 % | 50 % |
| Versorgungsempfänger im Ruhestand | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiger Ehepartner | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiges Kind | 80 % | 20 % |
Ihren persönlichen Satz mit Kindern und Ehepartner rechnen Sie im Beihilfe-Rechner aus, dort ist Berlin hinterlegt.
Was die Beihilfe nicht zahlt: die Restkostenversicherung
Die Beihilfe in Berlin erstattet im aktiven Dienst 50 Prozent, mit zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Den Rest Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen, ohne Kinder also 50 Prozent, tragen Sie selbst. Genau diesen Teil sichert eine private Restkostenversicherung ab: ein beihilfekonformer Tarif, dessen Erstattungssatz zusammen mit der Beihilfe 100 Prozent ergibt. Im Ruhestand beträgt der Satz 70 Prozent, der private Anteil sinkt entsprechend; für ein berücksichtigungsfähiges Kind versichern Sie 20 Prozent privat. Wie Beihilfe und private Versicherung zusammenspielen, steht unter PKV für Beamte. Haben Sie eine Vorerkrankung, lesen Sie vorher PKV trotz Vorerkrankung: Innerhalb von sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung gibt es einen erleichterten Zugang.
Besonderheiten in Berlin
Diese Punkte weichen vom üblichen Muster ab oder ergänzen es. Sie stehen so in der Rechtsgrundlage:
- Elternzeit: Beihilfeberechtigte Personen in Elternzeit erhalten 70 Prozent. (§ 46 Abs. 2 Satz 5 LBhVO)
- Mehrere Beihilfeberechtigte: Bei mehreren Beihilfeberechtigten erhält den erhöhten Satz von 70 Prozent nur, wer den Familienzuschlag bezieht, und nur dann, wenn nicht schon aus anderen Gründen 70 Prozent zustehen. (§ 76 Abs. 3 Satz 3 LBG, § 46 Abs. 2 LBhVO)
- Pflegeaufwendungen: Wer von der Pflegeversicherung grundsätzlich nur die Hälfte der Leistungen erhält, bekommt für diese Aufwendungen 50 Prozent. (§ 46 Abs. 4 LBhVO)
- Erhöhung im Ruhestand: Die Festsetzungsstelle kann den Satz für Versorgungsempfänger und ihre berücksichtigungsfähigen Personen mit geringen Gesamteinkünften für höchstens drei Jahre um höchstens 10 Prozentpunkte erhöhen, wenn der Beitrag für die private Krankenversicherung 15 Prozent der Gesamteinkünfte übersteigt. (§ 47 Abs. 2 LBhVO)
- Individueller Leistungsausschluss: Erstattet der Versicherer Aufwendungen wegen eines individuellen Ausschlusses nicht, erhöht sich der Satz um 20 Prozentpunkte, höchstens auf 90 Prozent. (§ 47 Abs. 4 LBhVO)
- Stichtag: Maßgeblich ist der Bemessungssatz im Zeitpunkt der Leistungserbringung. (§ 46 Abs. 1 Satz 2 LBhVO)
Was in der Elternzeit zusätzlich gilt, etwa Beihilfeanspruch und Beitragserstattung des Dienstherrn in Berlin, steht auf der Seite Beihilfe und Elternzeit.
Pauschale Beihilfe in Berlin
Berlin gehört nach Angaben des PKV-Verbands, der Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Statt der Erstattung im Einzelfall erhalten Sie dann einen Zuschuss zu Ihrem Krankenversicherungsbeitrag. Das lohnt sich vor allem bei mehreren Kindern und einem Partner ohne eigenes Einkommen, weil die gesetzliche Kasse Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert.
In Berlin ist die pauschale Beihilfe in § 76 Abs. 5 LBG geregelt; das Gesetz zu ihrer Einführung trat am 18. März 2020 in Kraft. Sie steht Beihilfeberechtigten offen, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder in einer privaten Krankenvollversicherung versichert sind. Sie beträgt grundsätzlich die Hälfte, bei privater Versicherung höchstens die Hälfte des Beitrags im Basistarif. Antrag und Verzicht auf die individuelle Beihilfe sind unwiderruflich. Wie sich beide Wege in Ihrem Fall rechnen, steht auf der Seite zur pauschalen Beihilfe.
Vier Punkte, die in Berlin über Ihre Kosten entscheiden
Der Bemessungssatz ist nur die halbe Antwort. Diese vier Regeln unterscheiden die Länder deutlich, und sie kosten im Einzelfall Geld. Alle Angaben stammen aus der Landesvorschrift oder dem Merkblatt der Beihilfestelle (am 24.09.2026 gegen den amtlichen Text geprüft):
- Einkommensgrenze für Ehepartner: 20.000 Euro. Maßgeblich ist der Gesamtbetrag der Einkünfte im zweiten Kalenderjahr vor der Beantragung der Beihilfe. Der Betrag wird im gleichen Verhältnis wie der aktuelle Rentenwert angepasst und auf volle Euro abgerundet; den aktuell geltenden Betrag nennt das Landesverwaltungsamt (§ 4 Abs. 1 LBhVO).
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: 10 Euro je Kalendertag bei vollstationärer Behandlung im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationseinrichtung, höchstens für 28 Tage im Kalenderjahr, außerdem bei Rehabilitationsmaßnahmen (§ 49 Abs. 1 LBhVO). Bei Personen unter 18 Jahren, bei Schwangeren im Zusammenhang mit Beschwerden oder Entbindung und bei Organspendern entfällt der Abzug (§ 49 Abs. 2). Einen prozentualen Abzug auf Arzneimittel wie beim Bund sieht die Verordnung nicht vor. Die Belastungsgrenze liegt bei 2 Prozent der jährlichen Einnahmen, bei chronisch Kranken bei 1 Prozent (§ 50 Abs. 1 LBhVO).
- Wahlleistungen im Krankenhaus: Beihilfefähig sind Wahlleistungen im Krankenhaus nur für den Personenkreis nach § 108 Landesbeamtengesetz, die Unterkunft dann bis zu 1,2 Prozent der oberen Grenze des einheitlichen Basisfallwertkorridors je Tag (§ 26 Abs. 1 Nr. 5 LBhVO). Für alle anderen Beihilfeberechtigten führt die Verordnung sie nicht als beihilfefähig auf.
- Antragsfrist: Drei Jahre nach dem Rechnungsdatum (§ 54 Abs. 1 LBhVO).
Fundstellen und Fassungen der vier Punkte
- Einkommensgrenze Ehepartner: § 4 Abs. 1 LBhVO. LBhVO § 4, Gesamtausgabe mit Stand 01.03.2026 (Landesverwaltungsamt Berlin); geprüft am 24.09.2026.
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: §§ 49 und 50 LBhVO. LBhVO §§ 49, 50, Gesamtausgabe mit Stand 01.03.2026; geprüft am 24.09.2026.
- Wahlleistungen im Krankenhaus: § 26 Abs. 1 Nr. 5 LBhVO. LBhVO § 26, Gesamtausgabe mit Stand 01.03.2026; geprüft am 24.09.2026.
- Antragsfrist: § 54 Abs. 1 LBhVO. LBhVO § 54, Gesamtausgabe mit Stand 01.03.2026; geprüft am 24.09.2026.
Für Ihren Tarif zählt vor allem der dritte Punkt. Ein Wahlleistungsbaustein kostet spürbar Beitrag. Bezuschusst Ihr Dienstherr Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer nicht, tragen Sie diesen Baustein vollständig selbst, und er kann trotzdem sinnvoll sein, wenn Ihnen die Leistung wichtig ist. Bezuschusst er sie, muss der Prozentsatz im Tarif dazu passen. Die Einkommensgrenze wiederum wird oft erst bemerkt, wenn der Partner mehr verdient und der Anspruch rückwirkend entfällt.
Wann die private Krankenversicherung in Berlin nicht die richtige Wahl ist
Für Beamtinnen und Beamte ist die private Krankenversicherung meistens der günstigere Weg, weil Sie nur den Rest zur Beihilfe versichern. Drei Konstellationen sprechen dagegen, und die sollten Sie kennen, bevor Sie unterschreiben:
- Mehrere Kinder und ein Partner ohne eigenes Einkommen. Hier können Sie die pauschale Beihilfe wählen und in der gesetzlichen Kasse bleiben, in der Angehörige ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert sind. Bei mehreren Kindern und einem Partner ohne Einkommen kann das günstiger sein als mehrere private Verträge.
- Eine Vorerkrankung, die zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führt. Dann entscheidet sich über die Risikovoranfrage und gegebenenfalls die Öffnungsaktion, ob ein privater Vertrag zu vertretbaren Bedingungen überhaupt zustande kommt.
- Ein Ehepartner über der Einkommensgrenze. Dann entfällt dessen Beihilfeanspruch, und er muss sich vollständig selbst versichern. Die Grenze in Berlin steht weiter oben.
Der Weg zurück in die gesetzliche Kasse steht im Beamtenverhältnis nur mit ausreichender Vorversicherungszeit offen. Rechnen Sie beide Wege deshalb einmal vollständig durch, bevor Sie sich festlegen: PKV oder gesetzliche Kasse.
Wenn Sie den Dienstherrn wechseln
Ihr privater Vertrag wandert mit, das Beihilferecht nicht. Wechseln Sie nach Berlin oder von dort weg, ändern sich möglicherweise Ihr Bemessungssatz und die Regeln für Angehörige. Lassen Sie Ihren Tarif dann prüfen: Passt der versicherte Prozentsatz nicht mehr zum Bemessungssatz, sind Sie über- oder unterversichert. Für die Anpassung gilt eine Frist von sechs Monaten nach der Änderung (§ 199 Abs. 2 VVG).
Ihre Beihilfestelle in Berlin
Anträge und Auskünfte laufen über das Landesverwaltungsamt Berlin mit seiner Zentralen Beihilfestelle (Website). Dort erhalten Sie auch die verbindliche Auskunft über Ihren persönlichen Bemessungssatz. Diese Auskunft ist die Grundlage für den Prozentsatz, den Sie privat versichern.
Häufige Fragen zur Beihilfe in Berlin
Haben Kinder von Beamten in Berlin Anspruch auf Beihilfe?
Ja, wenn sie berücksichtigungsfähig sind. Für ein berücksichtigungsfähiges Kind beträgt der Bemessungssatz in Berlin 80 Prozent; privat versichern Sie dann 20 Prozent. Woran die Berücksichtigungsfähigkeit hängt, steht unter Beihilfe für Kinder.
Wo stelle ich den Beihilfeantrag in Berlin?
Den Antrag stellen Sie über das Landesverwaltungsamt Berlin mit seiner Zentralen Beihilfestelle (Website der Beihilfestelle). Zur Antragsfrist: Drei Jahre nach dem Rechnungsdatum (§ 54 Abs. 1 LBhVO).
Gilt in Berlin die pauschale Beihilfe?
Ja. Berlin gehört nach Angaben des PKV-Verbands (Stand 15.09.2026) zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Rechtsgrundlage ist § 76 Abs. 5 LBG, in Kraft seit 18. März 2020; Antrag und Verzicht sind unwiderruflich. Ob sie sich für Sie rechnet, steht unter Pauschale Beihilfe.
Welcher Bemessungssatz gilt in Berlin im Ruhestand?
Für Versorgungsempfänger beträgt der Satz 70 Prozent; privat versichern Sie dann 30 Prozent. Dazu gibt es eine Sonderregel, sie steht oben unter Besonderheiten. Was beim Übergang zu tun ist, steht unter Beihilfe im Ruhestand.
Weiterlesen
Die Systematik dahinter steht unter Beihilfe, die Regeln des Bundes unter Beihilfe des Bundes. Wie sich der Satz mit Kindern ändert, lesen Sie unter Beihilfe für Kinder, was im Ruhestand passiert, unter Beihilfe im Ruhestand. Was der Schutz kostet, steht unter Kosten. Den Überblick über alle Dienstherren finden Sie unter Beihilfe für Beamte: Überblick, den Vergleich mit der gesetzlichen Kasse bei Zuschuss des Dienstherrn unter Pauschale Beihilfe, die Grundlagen unter PKV für Beamte und den Weg bei Vorerkrankungen unter PKV trotz Vorerkrankung.
Quellen
- § 76 LBG, Fassung vom 15.11.2022, Text gilt ab 27.11.2022, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- §§ 4, 26, 46, 49, 50, 54 LBhVO, Gesamtausgabe des Landesverwaltungsamts, Text gilt ab 01.03.2026, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- Landesverwaltungsamt Berlin, Zentrale Beihilfestelle, Beihilfestelle, abgerufen am 16.09.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, Krankenversicherung für Beamtinnen und Beamte (Länder mit pauschaler Beihilfe), pkv.de, abgerufen am 15.09.2026
- Pauschale Beihilfe: Senatsverwaltung für Finanzen Berlin, Fragen und Antworten zur pauschalen Beihilfe, Anlage zum Rundschreiben IV Nr. 16/2022, Stand März 2022, berlin.de, abgerufen am 24.09.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Broschüre zur Öffnungsaktion für Beamte und Angehörige (beihilfekonforme Restkostenversicherung, Frist), pkv.de, Stand Januar 2026, abgerufen am 07.10.2026
- § 199 Abs. 2 VVG zur Anpassung bei Änderung des Beihilfeanspruchs, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
Über den Autor
Kai Stockschlaeder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.
Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.
Fachlich geprüft am 24. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.
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