Beihilfe in Niedersachsen: Sätze und Zuständigkeit
Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Niedersachsen gelten § 80 des Niedersächsischen Beamtengesetzes und die Niedersächsische Beihilfeverordnung. Sie regelt, welchen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen der Dienstherr übernimmt. Den Rest versichern Sie privat. Maßgeblich ist Ihr Dienstherr, nicht Ihr Wohnort: Wer beim Land arbeitet und anderswo wohnt, bleibt beim Beihilferecht dieses Landes.
Kurz gesagt
- Für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Niedersachsen gelten § 80 des Niedersächsischen Beamtengesetzes und die Niedersächsische Beihilfeverordnung, nicht die Bundesbeihilfeverordnung.
- Im aktiven Dienst beträgt der Bemessungssatz 50 Prozent, mit zwei Kindern 70 Prozent.
- Im Ruhestand sind es 70 Prozent, für ein berücksichtigungsfähiges Kind 80 Prozent.
- Niedersachsen bietet die pauschale Beihilfe an, also einen Zuschuss zum Beitrag statt der Erstattung im Einzelfall.
- Zuständig ist das Niedersächsische Landesamt für Bezüge und Versorgung. Die verbindliche Auskunft zu Ihrem Satz kommt von dort.
Stand: . Rechtsgrundlage und Quelle
Ihr Bemessungssatz in Niedersachsen
Die Beihilfe erstattet einen festen Prozentsatz Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen. Den Rest versichern Sie privat. Diese Sätze gelten für Landesbeamtinnen und Landesbeamte in Niedersachsen:
| Für wen | Beihilfe | Privat zu versichern |
|---|---|---|
| Aktiv, ohne berücksichtigungsfähiges Kind | 50 % | 50 % |
| Aktiv, mit zwei Kindern | 70 % | 30 % |
| Anwärterinnen und Anwärter | 50 % | 50 % |
| Versorgungsempfänger im Ruhestand | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiger Ehepartner | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiges Kind | 80 % | 20 % |
Ihren persönlichen Satz mit Kindern und Ehepartner rechnen Sie im Beihilfe-Rechner aus, dort ist Niedersachsen hinterlegt.
Was die Beihilfe nicht zahlt: die Restkostenversicherung
Die Beihilfe in Niedersachsen erstattet im aktiven Dienst 50 Prozent, mit zwei berücksichtigungsfähigen Kindern 70 Prozent. Den Rest Ihrer beihilfefähigen Aufwendungen, ohne Kinder also 50 Prozent, tragen Sie selbst. Genau diesen Teil sichert eine private Restkostenversicherung ab: ein beihilfekonformer Tarif, dessen Erstattungssatz zusammen mit der Beihilfe 100 Prozent ergibt. Im Ruhestand beträgt der Satz 70 Prozent, der private Anteil sinkt entsprechend; für ein berücksichtigungsfähiges Kind versichern Sie 20 Prozent privat. Wie Beihilfe und private Versicherung zusammenspielen, steht unter PKV für Beamte. Haben Sie eine Vorerkrankung, lesen Sie vorher PKV trotz Vorerkrankung: Innerhalb von sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung gibt es einen erleichterten Zugang.
Besonderheiten in Niedersachsen
Diese Punkte weichen vom üblichen Muster ab oder ergänzen es. Sie stehen so in der Rechtsgrundlage:
- Elternzeit: Der Beihilfeanspruch besteht in der Elternzeit weiter. Eine Sonderregel für den Bemessungssatz gibt es nicht. (§ 80 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 NBG)
- Mehrere Beihilfeberechtigte: Der erhöhte Satz wegen Kindern gilt für die Person, die den Familienzuschlag für die Kinder erhält. Die Beihilfeberechtigten können eine abweichende Vereinbarung treffen, die nur aus einem wichtigen Grund geändert werden kann. Eine Vereinbarung ist nicht möglich, wenn eine Rechtsvorschrift den Satz einer Person verbindlich zuweist. (§ 43 Abs. 1 Sätze 2 bis 4 NBhVO)
- Erhöhung im Ruhestand: Auf Antrag kann die Festsetzungsstelle den Satz von Versorgungsempfängern und ihren Ehepartnern um bis zu 20 Prozentpunkte erhöhen, auch befristet, wenn der Beitrag für die private Krankenversicherung 12 Prozent der Einnahmen übersteigt und die Einnahmen eine Grenze nicht überschreiten. (§ 43 Abs. 4 NBhVO)
- Individueller Leistungsausschluss: Erstattet der Versicherer Aufwendungen wegen eines individuellen Ausschlusses nicht, erhöht sich der Satz um 20 Prozentpunkte, höchstens auf 90 Prozent. (§ 43 Abs. 7 NBhVO)
Was in der Elternzeit zusätzlich gilt, etwa Beihilfeanspruch und Beitragserstattung des Dienstherrn in Niedersachsen, steht auf der Seite Beihilfe und Elternzeit.
Pauschale Beihilfe in Niedersachsen
Niedersachsen gehört nach Angaben des PKV-Verbands, der Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Statt der Erstattung im Einzelfall erhalten Sie dann einen Zuschuss zu Ihrem Krankenversicherungsbeitrag. Das lohnt sich vor allem bei mehreren Kindern und einem Partner ohne eigenes Einkommen, weil die gesetzliche Kasse Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert.
In Niedersachsen regelt § 80a NBG die pauschale Beihilfe, gültig seit 20. Dezember 2023. Sie bemisst sich nach der Hälfte des nachgewiesenen Krankenversicherungsbeitrags, bei privater Versicherung höchstens nach dem halben Beitrag im Basistarif. Den Antrag stellen Sie bei der Festsetzungsstelle innerhalb einer Ausschlussfrist von einem Jahr. Antrag und Verzicht auf die Beihilfe nach § 80 NBG sind unwiderruflich und bedürfen der Schriftform. Wie sich beide Wege in Ihrem Fall rechnen, steht auf der Seite zur pauschalen Beihilfe.
Vier Punkte, die in Niedersachsen über Ihre Kosten entscheiden
Der Bemessungssatz ist nur die halbe Antwort. Diese vier Regeln unterscheiden die Länder deutlich, und sie kosten im Einzelfall Geld. Alle Angaben stammen aus der Landesvorschrift oder dem Merkblatt der Beihilfestelle (am 24.09.2026 gegen den amtlichen Text geprüft):
- Einkommensgrenze für Ehepartner: 22.000 Euro. Maßgeblich sind die Einkünfte im zweiten Kalenderjahr vor der Stellung des Beihilfeantrags (§ 80 Abs. 3 Satz 2 NBG).
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro bei Arznei- und Verbandmitteln, Medizinprodukten, nicht zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln, Fahrten, Haushaltshilfe und Soziotherapie, dazu 10 Euro je Kalendertag bei vollstationärer Behandlung, Anschlussrehabilitation und Suchtbehandlung für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (§ 45 NBhVO). Der Grenzbetrag liegt bei 2 Prozent der jährlichen Einkünfte, bei chronisch Kranken bei 1 Prozent (§ 46 NBhVO).
- Wahlleistungen im Krankenhaus: Beihilfefähig sind nach § 21 NBhVO die allgemeinen Krankenhausleistungen. Wahlleistungen, also Chefarztbehandlung sowie Ein- und Zweibettzimmer, gehören nicht dazu und sind nach dem Informationsblatt des Landesamts für Bezüge und Versorgung nicht beihilfefähig.
- Antragsfrist: Ein Jahr als Ausschlussfrist ab Entstehen der Aufwendungen; liegt eine Rechnung vor, beginnt die Frist mit dem Rechnungsdatum (§ 48 Abs. 1 NBhVO). Ein Antrag ist nur zulässig, wenn die Aufwendungen mindestens 100 Euro betragen; bei drohendem Fristablauf oder unbilliger Härte geht es auch darunter (§ 47 Abs. 5 NBhVO).
Fundstellen und Fassungen der vier Punkte
- Einkommensgrenze Ehepartner: § 80 Abs. 3 Satz 2 NBG. NBG § 80, aktuelle Fassung laut VORIS (abgerufen 24.09.2026); geprüft am 24.09.2026.
- Eigenbehalte und Belastungsgrenze: §§ 45 und 46 NBhVO. NBhVO § 45 (Fassung ab 01.08.2023), § 46 (Fassung ab 01.07.2017); geprüft am 24.09.2026.
- Wahlleistungen im Krankenhaus: § 21 NBhVO. NBhVO § 21 (Fassung ab 01.08.2023); NLBV, Informationsblatt Vordr. 2705a, Stand 08.2023; geprüft am 24.09.2026.
- Antragsfrist: § 48 Abs. 1 und § 47 Abs. 5 NBhVO. NBhVO § 48 (Fassung ab 01.10.2019), § 47 (Fassung ab 01.08.2023); geprüft am 24.09.2026.
Für Ihren Tarif zählt vor allem der dritte Punkt. Ein Wahlleistungsbaustein kostet spürbar Beitrag. Bezuschusst Ihr Dienstherr Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer nicht, tragen Sie diesen Baustein vollständig selbst, und er kann trotzdem sinnvoll sein, wenn Ihnen die Leistung wichtig ist. Bezuschusst er sie, muss der Prozentsatz im Tarif dazu passen. Die Einkommensgrenze wiederum wird oft erst bemerkt, wenn der Partner mehr verdient und der Anspruch rückwirkend entfällt.
Wann die private Krankenversicherung in Niedersachsen nicht die richtige Wahl ist
Für Beamtinnen und Beamte ist die private Krankenversicherung meistens der günstigere Weg, weil Sie nur den Rest zur Beihilfe versichern. Drei Konstellationen sprechen dagegen, und die sollten Sie kennen, bevor Sie unterschreiben:
- Mehrere Kinder und ein Partner ohne eigenes Einkommen. Hier können Sie die pauschale Beihilfe wählen und in der gesetzlichen Kasse bleiben, in der Angehörige ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert sind. Bei mehreren Kindern und einem Partner ohne Einkommen kann das günstiger sein als mehrere private Verträge.
- Eine Vorerkrankung, die zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führt. Dann entscheidet sich über die Risikovoranfrage und gegebenenfalls die Öffnungsaktion, ob ein privater Vertrag zu vertretbaren Bedingungen überhaupt zustande kommt.
- Ein Ehepartner über der Einkommensgrenze. Dann entfällt dessen Beihilfeanspruch, und er muss sich vollständig selbst versichern. Die Grenze in Niedersachsen steht weiter oben.
Der Weg zurück in die gesetzliche Kasse steht im Beamtenverhältnis nur mit ausreichender Vorversicherungszeit offen. Rechnen Sie beide Wege deshalb einmal vollständig durch, bevor Sie sich festlegen: PKV oder gesetzliche Kasse.
Wenn Sie den Dienstherrn wechseln
Ihr privater Vertrag wandert mit, das Beihilferecht nicht. Wechseln Sie nach Niedersachsen oder von dort weg, ändern sich möglicherweise Ihr Bemessungssatz und die Regeln für Angehörige. Lassen Sie Ihren Tarif dann prüfen: Passt der versicherte Prozentsatz nicht mehr zum Bemessungssatz, sind Sie über- oder unterversichert. Für die Anpassung gilt eine Frist von sechs Monaten nach der Änderung (§ 199 Abs. 2 VVG).
Ihre Beihilfestelle in Niedersachsen
Anträge und Auskünfte laufen über das Niedersächsische Landesamt für Bezüge und Versorgung (Website). Dort erhalten Sie auch die verbindliche Auskunft über Ihren persönlichen Bemessungssatz. Diese Auskunft ist die Grundlage für den Prozentsatz, den Sie privat versichern.
Häufige Fragen zur Beihilfe in Niedersachsen
Haben Kinder von Beamten in Niedersachsen Anspruch auf Beihilfe?
Ja, wenn sie berücksichtigungsfähig sind. Für ein berücksichtigungsfähiges Kind beträgt der Bemessungssatz in Niedersachsen 80 Prozent; privat versichern Sie dann 20 Prozent. Woran die Berücksichtigungsfähigkeit hängt, steht unter Beihilfe für Kinder.
Wo stelle ich den Beihilfeantrag in Niedersachsen?
Den Antrag stellen Sie über das Niedersächsische Landesamt für Bezüge und Versorgung (Website der Beihilfestelle). Zur Antragsfrist: Ein Jahr als Ausschlussfrist ab Entstehen der Aufwendungen; liegt eine Rechnung vor, beginnt die Frist mit dem Rechnungsdatum (§ 48 Abs. 1 NBhVO). Ein Antrag ist nur zulässig, wenn die Aufwendungen mindestens 100 Euro betragen; bei drohendem Fristablauf oder unbilliger Härte geht es auch darunter (§ 47 Abs. 5 NBhVO). (§ 48 Abs. 1 und § 47 Abs. 5 NBhVO)
Gilt in Niedersachsen die pauschale Beihilfe?
Ja. Niedersachsen gehört nach Angaben des PKV-Verbands (Stand 15.09.2026) zu den Ländern mit pauschaler Beihilfe. Rechtsgrundlage ist § 80a NBG, gültig seit 20. Dezember 2023; der Antrag ist innerhalb eines Jahres zu stellen, Antrag und Verzicht sind unwiderruflich. Ob sie sich für Sie rechnet, steht unter Pauschale Beihilfe.
Welcher Bemessungssatz gilt in Niedersachsen im Ruhestand?
Für Versorgungsempfänger beträgt der Satz 70 Prozent; privat versichern Sie dann 30 Prozent. Dazu gibt es eine Sonderregel, sie steht oben unter Besonderheiten. Was beim Übergang zu tun ist, steht unter Beihilfe im Ruhestand.
Weiterlesen
Die Systematik dahinter steht unter Beihilfe, die Regeln des Bundes unter Beihilfe des Bundes. Wie sich der Satz mit Kindern ändert, lesen Sie unter Beihilfe für Kinder, was im Ruhestand passiert, unter Beihilfe im Ruhestand. Was der Schutz kostet, steht unter Kosten. Den Überblick über alle Dienstherren finden Sie unter Beihilfe für Beamte: Überblick, den Vergleich mit der gesetzlichen Kasse bei Zuschuss des Dienstherrn unter Pauschale Beihilfe, die Grundlagen unter PKV für Beamte und den Weg bei Vorerkrankungen unter PKV trotz Vorerkrankung.
Quellen
- § 80 NBG, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.01.2025, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 21 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.08.2023, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 43 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.08.2023, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 45 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.08.2023, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 46 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.07.2017, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 47 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.08.2023, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- § 48 NBhVO, aktuelle Fassung laut VORIS, Text gilt ab 01.10.2019, Quelle öffnen, abgerufen am 24.09.2026
- Niedersächsisches Landesamt für Bezüge und Versorgung, Allgemeines Informationsblatt (Vordruck 2719, Stand 01.08.2025), Quelle öffnen
- Niedersächsisches Landesamt für Bezüge und Versorgung, Informationsblatt Krankenhausbehandlung (Vordruck 2705a, Stand 08.2023), Quelle öffnen
- Niedersächsisches Landesamt für Bezüge und Versorgung, Beihilfestelle, abgerufen am 16.09.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, Krankenversicherung für Beamtinnen und Beamte (Länder mit pauschaler Beihilfe), pkv.de, abgerufen am 15.09.2026
- Pauschale Beihilfe: § 80a NBG, NI-VORIS, voris.wolterskluwer-online.de, abgerufen am 17.10.2026
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Broschüre zur Öffnungsaktion für Beamte und Angehörige (beihilfekonforme Restkostenversicherung, Frist), pkv.de, Stand Januar 2026, abgerufen am 07.10.2026
- § 199 Abs. 2 VVG zur Anpassung bei Änderung des Beihilfeanspruchs, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15.09.2026
Über den Autor
Kai Stockschlaeder ist Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister-Nummer D-IPD8-4Y6QP-52, und seit mehr als 20 Jahren in der PKV-Beratung tätig.
Vergütung: Die Beratung kostet Sie nichts. Ich erhalte eine Courtage vom Versicherer, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Pflichtangaben stehen in der Erstinformation.
Fachlich geprüft am 24. September 2026. Diese Seite ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie sie entsteht, steht unter Methodik.
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